Also sprach…

Letzte Woche vorm ersten Kurs, erster Kurs des zweiten Semester meines Erasmusaufenthalts, Aufenthalt meines Lebens,

duh, nach Verabschiedungsmarathon folgten ein paar Tage der Ruhe, die standesgemäß in verschiedenen Bars gefeiert wurden. Geburtstag und Seeyoulater mit Andi in unserer Lieblingsabsteige, der Canidae der fünf an der Zahl: in Erinnerung an lange, memorable Memoryabende (Kinder, ich habe nicht einmal gewonnen), an Cranberry-Bier, dessen abendliche Nicht-Existenz uns schon meisterlich beim Betreten angekündigt wurde, an Lachflashs beim Gedanken an Alpacas und Justin B., an Geschichtsrevisionisten und Dart-Tuniere, die wir immer wieder vergaßen, an die ewig repetitierende Werbeschleife (15 und 30min) und an Greenday. Danke.
Scheiße, ohne euch macht nicht mal mehr das Gym Spaß – mit wem soll ich jetzt über die Lokalmatadoren lachen, die genug Kraft hätten, mich mit ihren Mm. auriculares superiores zu zerquetschen, wenn sie nur eine Ahnung darüber besäßen, was ich über sie denke?

Neue Gesichter getroffen im Wohnheim der RSU, das einem den Zugang nur mit Abgabe eines Personaldokuments gewährt und Fremden sowieso nur bis zehn. Hey, ich frage mich gerade wie die Studentenpartys dort feiern. Verrückt. Nur intern vermutlich. Jedenfalls haben wir unsere neuen Buddy-Freunde angemessen aufgenommen in unseren erlesenen Kreis.
Gleichsam erklärten wir die außerhalb so unbekannte Tradition des Namenstags. Denn wir feierten Daces in der Alabar, bei Bier, Knoblauchbrot, Käse, chaotisch betrunkenen Kellnern und lettischer Livemusik. (Ist denn heut schon wieder Alliterationstag?)

Letztlich gab es auch noch Überraschungen diese Woche; oder Überraschung ist vermutlich so falsch wie Halver Hahn für ’n verdammtes Käsebrötchen. Sagen wir eher Erfahrung. Ach, das klingt so philosophisch. Vergesst’s einfach.

Alles klar: Es gibt den Nabaklab, soweit ein super Laden mit einem jungen Mann am Einlass, mit dem wir befreundet sind. Alle zwei Monate findet dort eine English Comedy Night statt, ausgerichtet von Comedy Latvia (vormals Comedy Baltic). Präsentiert werden lokale und internationale Stand-up-Comedians, die lockerflockig ihre Show runterreißen. Wie immer gibt es natürlich auch hier Differenzen in der Performancequalität, aber immerhin sorgten die Frauen und Männer im Gegensatz zu mir überhaupt für eine Abendunterhaltung (inklusive einer herausragenden Darstellung des Air Baltic-Flugpersonals).
Lustigerweise haben wir es gestern Nacht nochmal neugierig in dieses Lokal geschafft. Nach langer Odyssey durch die nächtliche Altstadt Rigas (nokturnaler historischer Siedlungskern) landeten wir doch direkt mal in einem Jamspot: exakt genau wonach es sich liest: lettischer Rap! *Zinggggg* Ist auf lettisch rappen einfacher, weil sich ja mit regelmäßigen Deklinationsformen im Prinzip mehr oder minder alles reimt? Worüber rappt die Rigaer Jugend? Wie sieht die Rapszene außerhalb der Hauptstadt aus? All diese Fragen kann ich euch nicht beantworten. Jedenfalls erlebten wir auch glatt nochmal einen Faustkampf der traditionellen Art. Weird Night war dieses Mal die Devise, nachdem schon unser Auftritt im Café Leningrad eher ungewöhnliche Gefühle bei den Beteiligten auslöste.

Jetzt sitze ich hier so rum, prokrastiniere um meine Chirurgieunterlagen herum und freue mich ganz gewaltig auf die Dresdner Meute, die mich nächste Woche besuchen wird. Mädels und Jungs, ich danke euch schon prophylaktisch mal für euren Besuch und eure Zeit!

Peace out, over and out

Song for today: Alice in Chains – Choke

‚Ich sage euch: man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. Ich sage euch: ihr habt noch Chaos in euch.
Wehe! Es kommt die Zeit, wo der Mensch keinen Stern mehr gebären wird. Wehe! Es kommt die Zeit des verächtlichsten Menschen, der sich selber nicht mehr verachten kann.
Seht! Ich zeige euch den letzten Menschen.
„Was ist Liebe? Was ist Schöpfung? Was ist Sehnsucht? Was ist Stern?“ — so fragt der letzte Mensch und blinzelt.
Die Erde ist dann klein geworden, und auf ihr hüpft der letzte Mensch, der Alles klein macht. Sein Geschlecht ist unaustilgbar, wie der Erdfloh; der letzte Mensch lebt am längsten.
„Wir haben das Glück erfunden“ — sagen die letzten Menschen und blinzeln.“‚

PS: Weil ich so spontane Erinnerungen an Chaos hatte, und an Schönheit, die die Welt rettet, weil ich das Gefühl habe, ich müsste dort vielleicht wieder hin. (Es gibt keinen Smiley, der die Breite meines Grinsens in Worte fassen kann.) Weil ich vom Weltraum träumte.

Avatar von Unbekannt

About Martin

Hey everyone, I'm Martin, a German medical student from Dresden. I am participant of the Erasmus programme, currently studying in Riga, Latvia.
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1 Response to Also sprach…

  1. Avatar von der andi der andi sagt:

    awesome…wish I would be back

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